Unser erstes Ziel sollte ein Frühstück in einem kleinen Dorf sein, 80km Luftlinie... Dazu müssen wir aber erst einen Pass in 4.900m überqueren. Noch ist es draussen dunkel und kalt - wir bekommen Decken, da die Heizung des Kleinbus es nicht mehr schafft in der Höhe genug Wärme in den Innenraum zu pusten. Ganz oben angekommen geht die Sonne auf und beleuchtet eine karge Marslandschaft, in der nur noch kniehohes, widerstandsfähiges Buschwerk wächst. An schattigen Stellen liegt ein wenig Schnee. Um halb acht sind wir in einem kleinen Dorf, einfache Hütten aus Fels oder Holz, Wellblech oben drauf... Auf der Strasse liegen faul und unbeeindruckt von unserem Auto die Strassenhunde in der Sonne. Bergbauern laufen mit ihren Eseln und Alpakas die Strasse entlang, viele Frauen tragen noch die klassischen bunten Kleider. Unser Frühstück bekommen wir in einer einfachen Holzhütte, noch ist es kühl, doch die Sonne gewinnt an Kraft und auf der Wiese hinter der Hütte lassen wir uns durchwärmen, ein Lama wartet darauf, gestreichelt zu werden.
Der nächste ZwIschenstopp ist eine kleine Kirche, die innen überraschend aufwendig für dieses Nirgendwo geschmückt ist. Vor der Tür hat sich ein kleiner Markt für die vielen Touristen entwickelt. Die Landschaft danach wandelt sich in einen großartigen Anblick: Der tiefste Canyon des Kontinent, wir fahren eine staubige Strasse entlang, selten gibt es ein Stück Asphalt, an einigen Stellen ist die Strasse komplett von Felsrutschen verschüttet, stattdessen ist dann eine noch gröbere Piste in die Landschaft planiert. Kein Wunder, dass die Fahrer bei jeder Pause Reifen und Achsen inspizieren. Ein Bus hoppelt, als wäre hinten irgendwas gebrochen, einer steht mit einem Platten am Rand, ein großer Bus steht auch qualmend am Rand, überholt uns aber wenig später wieder. Zwei Tunnel sind grob in den Fels gesprengt, der Boden roh belassen. Der eine ist so lang, dass es komplett dunkel ist. Die Scheinwerfer helfen nicht viel, vorausfahrende Fahrzeuge haben soviel Staub aufgewirbelt, dass man kaum 5 Meter weit sehen kann.
Irgendwann kommen wir am Cruz del Condor in 3.800m Höhe an, wir stehen oben an einem besonders steilen Kliff des Cayons. Alleine die Aussicht ist beeindruckend, doch dann schrauben sich mit der morgendlichen Thermik Kondore mit einer Flügelspannweite von drei Metern aus der Felswand unter uns nach oben. Erst sehen wir sie nur kurz unten zwischen Felsvorsprüngen, dann direkt vor und wenige Meter über uns. Erst nur zwei die in Höhen bis 7.000m verschwinden, dann auch fünf auf einmal, fast zum Greifen nah lassen sie sich von den Touristen nicht stören. Nach einer Stunde ist das Schauspiel vorbei.
Zurück geht die Fahrt mit Foto- Zwischenstopps durch den Canyon zu einer heissen Quelle, in der wir in Vulkan-Thermalwasser baden können. Sehr erholsam, da wir den MuskelKater in den Waden noch nicht los sind. Überall sehen wir danach am Wegesrand Alpaka-Herden. Auf dem Rückweg halten wir noch ganz oben auf dem Pass, die Inka haben hier hunderte Steinhaufen als Wegmarken aufgeschichtet, die Luft ist dünn und kalt, mehrere Vulkane des südamerikanischen Feuergürtels ragen um uns herum auf, drei gelten als aktiv, einer raucht seit einem Jahr, wir sehen, wir er in Schüben dunkle Rauchwolken ausstösst.
Weiter geht unsere Fahrt den Berg hinab, LKW quälen sich langsam die Serpentinen hoch, die dünne Luft macht sie zu Schnecken, immer wieder sehen wir waghalsige Überholmanöver, Kreuze in den besonders engen Kurven zeugen von der Gefahr. Es ist mittlerweile 17h, auch unser Fahrer hat trotz der Pausen längst alle zulässigen Lenkzeiten dieser Welt überschritten, er ist seit zwei Uhr wach und kaut jetzt Koka-Blätter um fit zu bleiben. Wie so ein Unfall aussehen kann, sehen wir am nächsten Tag: Auf fast gerade Strecke hat sich ein LKW in die Felswand neben der Strasse gebohrt, vom Führerhaus ist ausser platt gedrücktem gelben Blech nichts mehr zu sehen, die Hälfte der Farbe klebt am Fels. Der Wellblechaufbau liegt komplett flach auf der Strasse und die Ladung aus Schokoriegeln wird gerade von Einheimischen geplündert, die diese Karton-weise in ihre Pickups und Minibusse einladen. Zum Glück reisen wir die langen Strecken in Peru mit Cruz del Sur. Zwei Fahrer wechseln sich hier alle vier Stunden ab.
Tolle Berichte und Fotos!
AntwortenLöschenWeiterhin erlebnisreiche Tage und viel Spaß wünschen Euch
Michael und Sigrid