Vom amerikanischen Forscher Hiram Bingham wurde sie seit 1911 systematisch freigelegt und erforscht. Doch in den dreißig Jahren davor waren immer wieder Forscher und Besucher vor Ort, die von Bauern aus Cusco dorthin geführt wurden. Wie beschwerlich diese Reise früher gewesen sein muss, lässt sich vor Ort erahnen. Der letzte Weg von etwa 60km führt durch ein schmales, subtropisches Tal, das von einem wilden Fluss dominiert wird. Eben jene Strecke, die wir gestern mit der Bahn zurückgelegt haben.
Doch zurück auf den Bergsattel zwischen den beiden Bergen, auf dem sich die Inkastadt auf 1000m mal 500m erstreckt. Wir wählen als erstes den Weg nach oben. Von hier haben wir den klassischen Blick auf die Anlage. Die Morgensonne klettert über die umliegenden Berge und beleuchtet Stück für Stück jeden Stein der Anlage. Wir gehen der großen Masse aus dem Weg und machen uns auf zur Inkabrücke, die an einem steilen Bergpass den Zugang zur Anlage sichert. Was hier geschützt wurde ist bis heute unklar. Auf Grund der Funde deutet alles darauf hin, dass hier die heiligen Jungfrauen der Inka die Reliquien der toten Könige jeden Tag mit heiligen Ritualen umsorgen mussten. Eine endgültige Sicherheit hierfür gibt es aber nicht. Gesichert ist nur, dass die Stadt nicht fertig gestellt und dann verlassen wurde. Da es bei den Inka keine Geschichtsschreiber gab, sondern nur offizielle Überlieferer, die ausschließlich mündlich arbeiteten, nahmen die Herrscher oft die Möglichkeit war, und liessen nur die offizielle Version weiter tragen. Wurden nach Revolten Städte oder Dörfer vernichtet, so wurden diese einfach “vergessen“. Auch die Spanier erfuhren bei ihren Eroberungszügen im Land nichts von der Stadt, da diese schon längst verlassen war.
Wir ziehen derweil weiter durch das Areal. Von allen Seiten ergeben sich neue Blickwinkel auf die kleinen Details und die eindrucksvolle Gesamtheit der Anlage. Am großen Tempel vorbei, dessen großer Altar aus einem Block Fels gehauen noch heute an seinem Platz steht. Immer wieder beeindrucken die passgenau gefügten Felswände, die eine Besonderheit der Inka darstellen.
Das gegenüberliegenden Ende der Anlage erreichen wir bei mittlerweile sengender Sonne. Hier geht es für maximal vierhundert Besucher pro Tag auf den großen Berg der Anlage, der weitere Ruinen einige hundert Meter höher bereit hält. Von drei Seiten zeigt sich der Berg mit senkrechtem Fels, nur eine Seite ist zu Fuss erklimmbar. Über steile Felstreppen geht es über eine Stunde aufwärts, die letzten Meter werden noch mal zu einer besonderen Herausforderung: Ein kleiner Tunnel mit steilem Ausgang, bei bei dem wir unsere Daypacks vor uns her schieben müssen und eine Leiter für das letzte Stück auf den Gipfel, der aus hingeworfenen, glatten Felsblöcken besteht, über die wir zum Abstieg balancieren müssen nachdem wir einmal mehr am heutigen Tag die grandiose Aussicht genossen haben. Wir mussten übrigens beim Aufstieg unterschreiben, dass wir das auf eigene Gefahr machen...
Eine Stunde später sind wir wieder in Machu Picchu und besichtigen nach einer ausgiebigen Pause noch die alten Unterkünfte der Anlage, eine Sammlung vieler kleiner, gleichartiger Häuschen, von denen sogar trotz vieler Erdbeben noch die Giebel stehen. Hier treffen wir auch noch auf einer Google-Streetview-Mann, der ein lustiges Gestell mit vielen Kameras auf dem Rücken trägt. Wir sind ihm absichtlich so in den Weg gelaufen, dass wir uns vielleicht bald selbst auf einem virtuellen Spaziergang sehen können - ist es das Reisen der Zukunft?
Nach vielen Stunden in der Anlage machen wir uns auf den Rückweg: Diesmal nicht mit dem Bus sondern zu Fuss... Geht ja nur ein paar hundert Meter halbwegs ordentliche Felswege hinab. Am Fuss des Berges besuchen wir noch eine Schmetterlingsfarm, die die 377 bekannten Arten der Umgebung erforscht. Da niemand anders da ist, bekommen wir eine exklusive Führung und sehen Details die einem in jedem normalen Schmetterlingsgarten entgehen.
Wenig später geht es zurück, wir stärken uns noch in der Stadt, schlendern ein wenig über den großen Kunsthandwerk- und Andenkenmarkt bevor wir zum Bahnhof gehen und diesmal für den Rückweg nach Cusco bis kurz vor die Stadt fahren um dann ein Taxi zurück in unser Hostel zu nehmen, in dem unser grosses Gepäck auf uns wartet, denn im Zug darf jeder Gast nur fünf Kilo Gepäck dabei haben. Im Zug hatte das Personal übrigens noch eine Überraschung für uns: Neben einem leckeren, einheimischen Snack, serviert in einem Maisblatt gab es noch eine Modenschau mit der neuesten Perurail-Kollektion an Kleidung aus Alpaka-Wolle und eine Aufführung in einem bunten, landestypischen Kostüm, um auf ein lokales Fest hinzuweisen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen